Offener Brief an Frau Bauer

Hier findet ihr einen Briefentwurf, den ihr gerne an Frau Bauer und andere zuständige Personen unter eurem Namen schicken dürft und sollt. There you go!

 

Sehr geehrte Frau Bauer,

Ende 2011 beschlossen Sie in ihrer Funktion als Wissenschaftsministerin die Abschaffung der allgemeinen Studiengebühren in Baden-Württemberg. Keine fünf Jahre später planen Sie nun, diese wieder für Teile der Studierenden wieder einzuführen. In der Presse und auf Nachfragen heißt es aus Ihrem Ministerium: Nicht-EU-Bürger*innen sollen durchschnittlich 1.500 Euro zahlen, ein Zweitstudium soll 650 Euro pro Semester kosten. Gleichzeitig sollen die Verwaltungsbeiträge für alle Studierenden von 60 auf 70 Euro angehoben werden.
ALTERNATIV

Sehr geehrte/r Frau/Herr _____

Ende 2011 beschloss Ihre Partei die Abschaffung der allgemeinen Studiengebühren in Baden-Württemberg. Keine fünf Jahre später planen Sie nun, diese wieder für Teile der Studierenden wieder einzuführen. In der Presse und auf Nachfragen heißt es aus dem von Ministerin Bauer geführten Wissenschaftsministerium: Nicht-EU-Bürger*innen sollen durchschnittlich 1.500 Euro zahlen, ein Zweitstudium soll 650 Euro pro Semester kosten. Gleichzeitig sollen die Verwaltungsbeiträge für alle Studierenden von 60 auf 70 Euro angehoben werden.

Ich möchte Ihnen in diesem Schreiben mitteilen, dass ich, wie viele andere, diesen Schritt aus zahlreichen Gründen ablehne, dich ich Ihnen hier in aller Kürze darlegen möchte. Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger*innen verschärfen soziale Ungleichheiten beim Zugang zu Bildung im globalen Kontext. Ausländische Studierende sind schon mit erheblichen finanziellen Hürden konfrontiert. Die Studiengebühren werden dazu führen, dass noch weniger Menschen aus benachteiligten Schichten die Gelegenheit eines Studiums in Deutschland bekommen. Universität wird mehr und mehr zur Eliteveranstaltung, (post)koloniale Machtverhältnisse werden fortgeschrieben. Die geplanten diskriminierenden Gebühren verstoßen gegen Grundgesetz und UN-Sozialpakt und stehen im Widerspruch zur – allseits begrüßten – Internationalisierung der Wissenschaft. Das Argument, dass es nicht die Aufgabe Deutschlands ist, die Ausbildung für das Ausland zu finanzieren, greift schon in tatsächlicher Hinsicht nicht: Nach dem Studium arbeiten viele Nicht-EU-Bürger*innen in Deutschland und verhelfen den Sozialkassen so schnell zu Millionen-Einnahmen.

Der Einführung von Gebühren für ein Zweitstudium liegt erkennbar das Bild zugrunde, das Studium diene einzig und allein dem einmaligen Erwerb einer Berufsqualifikation. Tatsächlich gibt es viele gute Gründe für ein Zweitstudium. Die allseits vernehmbare Aufforderung zu „lebenslangem Lernen“ wird durch die Einführung von Zweitstudiengebühren konterkariert. Zudem machen die rasanten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt ein Zweitstudium für immer mehr Menschen zur wirtschaftlichen Notwendigkeit. Dieses sollte daher nicht vom Geldbeutel abhängen.

Die Verwaltungsbeiträge, die um 10 Euro erhöht werden sollen, sind nichts anderes als versteckte Studiengebühren. Auch sie können einen von vielen Faktoren darstellen, die benachteiligte Personen von der Aufnahme eines Studiums abhalten oder zumindest in finanzielle Schwierigkeiten bringen.

Ich fordere Sie daher auf, von Ihrem Vorhaben, die genannten Gebühren in Baden-Württemberg einzuführen, Abstand zu nehmen. ALTERNATIV: Ich fordere Sie daher auf, dem Vorhaben von Ministerin Bauer nicht zu folgen und es zu kritisieren. Schließlich gilt das Recht auf Bildung gilt für alle und verträgt sich nicht mit Studiengebühren – egal welcher Art. Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Statt Studierende die Haushaltslöcher der Landesregierung stopfen zu lassen, müssen Hochschulen komplett durch öffentliche Mittel finanziert werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Dear Ms. Bauer,

At the end of 2011 you, as Minister of Science, decided to abolish general tuition fees for higher education in Baden-Württemberg. Now, hardly five years later, you are planning to reintroduce them for a percentage of students in this region. The following is stated by your ministry, according to the press and upon request: Non EU-citizens are expected to pay in average 1500 Euros per semester, whereas a second degree should cost 650 Euros for the same period of time. Simultaneously, administration fees are supposed to increase for every student, from 60 to 70 Euros.

ALTERNATIVE

Dear Mr. /Ms.

At the end of 2011 your Party decided to abolish the general tuition fees for higher education in Baden- Württemberg. Now, hardly five years later, you are planning to reintroduce them for a percentage of students in this region. The following is stated by the Ministry of Science, led by Ms. Bauer: Non EU-citizens are expected to pay in average 1500 Euros per semester, whereas a second degree should cost 650 Euros for the same period of time. Simultaneously, administration fees are supposed to increase for every student, from 60 to 70 Euros.

I would like to let you know through this letter that I, together with many others, emphatically reject this measure for numerous reasons, which I briefly describe below.

Tuition fees for Non-EU students aggravate social inequalities regarding access to education in a global context. Foreign students are already confronted with considerable financial obstacles in Germany. Tuition fees would only lead on to a decrease of opportunity for young people from socially disadvantaged groups to study in this country. University would gradually become a place for elites, thus upholding (post) colonial power structures. These discriminating tuition fees would be a violation both of the German Constitution and the UN- Social Pact and would contradict the universally welcomed internationalization of the Sciences. Additionally, the argument that it is not Germany´s responsibility to finance education for foreign countries does not correspond to reality: many Non-EU citizens decide to remain and work in Germany after finishing their studies, contributing in this way tremendously to the country´s social security system.

The introduction of tuition fees for a second degree would clearly reinforce the notion that a course of studies has the acquisition of a single occupational skill as its only purpose. In fact, there are several reasons for a second degree. The incitement to a “lifelong learning” would be undoubtedly counteracted if the tuition fees become a reality. Moreover, the rapid modifications in the job market compel ever more people to undertake a second degree as a financial necessity. This should therefore not depend on the individual´s bank account.

The administration fees, which would be raised by 10 Euros for every student, are nothing else than hidden tuition fees. Even these could mean a deterrent for the socially disadvantaged to engage in higher education or at the very least represent a further financial difficulty for them.

I therefore request you to refrain from the intended introduction of tuition fees in Baden-Württemberg.

ALTERNATIVE: I therefore request you not to support Minister Bauer´s proposition and to criticize it. After all, the right to education applies to everybody and does not agree with tuition fees – regardless in which form. Education is a duty of the society as a whole. Instead of letting students cover the budget deficit of the state, universities and institutions of higher education in general must be completely financed by public resources.

Best regards,

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